Gimp 141 – Retusche, Frequenztrennung

Zur Frequenztrennung gibt es viele Tutorials im Netz zu finden. Einige sind gut, einige hinterlassen neue Fragen und nicht wenige vermitteln das Thema sogar mit Fehlern. Hier gibt’s die Frequenztrennung von A bis Z.

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Welche Frequenzen eigentlich?

Bei vielen Tutorials kommt der Begriff Frequenzen genau einmal vor, nämlich im Titel. Es werden dann Ebenen angelegt die sich Details und Farben nennen, oder so – und das war es dann. Was folgt ist nicht selten eine Verkettung von Verständnisfehlern.

Die Ebenen die angelegt werden sollten statt dessen benannt werden in: Hochfrequenz-Ebene und Niederfrequenz-Ebene. Wenn man schon mal in Gegenwart von Einsteigern in diesem Gebiet mit Frequenzen um sich wirft.

Die Hochfrequenz-Ebene ist eine Ebene die die Bildstrukturen beinhaltet. Es gibt grobporige Materialien, Texturen, Haut und so weiter und feinporige Strukturen. Diese Textur nenne ich es mal, wird in der Hochfrequenzebene angelegt und für das Bild in diesem Kanal/Ebene erhalten.

Die Niederfrequenz-Ebene beinhaltet dann die Farben. Auf der Niederfrequenzebene wird gearbeitet, Farben korrigiert, störende Bilddetails retuschiert und so weiter. Meistens wird die Frequenztrennung im Bereich der Beauty-Retusche angewendet.

Da die Informationen die das Bild lebendig halten in der Hochfrequenz-Ebene erhalten bleiben, kann in der Niederfrequenz-Ebene relativ hart zur Sache gegangen werden, da man dort an sich nur Farbwerte verschiebt.

Schlussfolgerung

Daraus ergibt sich, dass in der Hochfrequenzebene, die ja extra angelegt wurde um Texturen zu erhalten, nicht mit einem weichen Pinsel gearbeitet wird. Das wird in vielen Tutorials aber gerne getan, was die ganz Sache an sich sinnlos macht. Wenn überhaupt, nutzt man in der Hochfrequenz-Ebene einen harten Pinsel, der die Strukturen unverändert von A nach B transportiert.

Retusche

Um die ganze Leistungsfähigkeit der Methode Frequenztrennung zu demonstrieren, möchte ich an dem Bild der Person mit Sommersprossen zeigen. Ich betrachte das nicht als Beauty-Retusche, denn ich mag Sommersprossen. Die Aufgabe besteht hier nur in der Herausforderung.

Frequenztrennung in Gimp

Vorher – Nachher

Das Bild ist von Pixabay, in der Lizenz CC0 und ihr könnt es euch für Testzwecke hier downloaden.

Theoretisch könnte ich hier das Stempelwerkzeug nutzen, was aber genau das bewirkt was durch die Frequenztrennung vermieden werden soll: Das Foto würde sehr leiden und das Resultat wäre ein vermanscht weichgezeichnetes Bild.

Daher lege ich von der Originalebene drei Kopien an. So liegen mir jetzt 4 Ebenen übereinander vor.

Die oberste Ebene versetze ich in den Ebenenmodus Faser mischen. Über Farben – Invertieren wechsele ich die Farben und aus dem Foto wird ein künstliches Negativbild. Die Ebene wird daraufhin komplett grau auf der Arbeitsfläche, in der Ebenenvorschau bleibt sie negativ (siehe Bild unten).

Gimp Frequenztrennung

Hochfrequenz-Ebene

Hier trennen sich die Wege

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten die Frequenztrennung durchzuführen. In den meisten Tutorials folgt nun der Schritt eine der Bildebenen weich zu zeichnen und den gleichen Weichzeichnungs-Faktor auf die Hochpass-Ebene (Hochfrequenz-Ebene) anzuwenden. Tun wir das einmal.

Ich wähle die zweite Ebene, eine über der Originalebene. Alle anderen Ebenen verberge ich. Die ausgewählte Ebene benenne ich gleich um in Niederfrequenz. Dann öffne ich über Filter – Weichzeichnen – Gaußscher Weichzeichner das entsprechende Dialogfenster.

Gimp Frequenztrennung

Niederfrequenz vorbereiten

Ich wähle einen Weichzeichnungs-Faktor von 20. Warum? Weil in der Niederfrequenz-Ebene möglicht viele Details verschwinden, die Farbe aber erhalten bleiben soll. Die Feinstruktur soll minimiert werden – Niederfrequenz.

Gimp Frequenztrennung

Stark weichzeichnen

Gimp Frequenztrennung

Niederfrequenz Weich, Faktor 20

Die beiden Ebenen darüber aktiviere ich jetzt wieder und wende auf die graue Ebene ebenfalls den Weichzeichner mit dem Faktor 20 an. Es entstehen nun scharfe Kanten. Alles was Struktur hat wird heraustreten. Die Hochfrequenz(en).

Gimp Frequenztrennung

Hochpass weichzeichnen

Die beiden oberen Ebenen können nun nach unten vereint werden (rechter Mausklick auf oberste Ebene – Nach unten vereinen). Die neu entstandene, vereinte Ebene muss nun auf den Ebenenmodus Faser mischen eingestellt werden.

Ich werde nun einen Ebenenordner anlegen und die beiden oberen Ebenen in die Ebenengruppe hineinziehen (rechte Maustaste auf Ebene – Neue Ebenengruppe).

Gimp Frequenztrennung

Ebenengruppe

Schaltet ihr die gesamte Ebenengruppe ab, werdet ihr feststellen, dass sich die beiden Bilder kein Stück voneinander unterscheiden. Das ist bis hierher auch beabsichtigt. Denn es sollen soweit nur die Frequenzen getrennt werden, damit alle weiteren Schritte so verlustfrei wie möglich ausgeführt werden können.

Im Prinzip würde erst jetzt die eigentliche Arbeit der Retusche beginnen.

Aber

Wir hatten beim Weichzeichnen die Reihenfolge, erst die Niederfrequenz-Ebene, danach die Hochfrequenz-Ebene, weil die Hochfrequenz den Faktor übernehmen sollte.

Dadurch wurden auf der Hochfrequenz-Ebene aber auch die Sommersprossen mit einbezogen. Wollte man jetzt die Sommersprossen retuschieren, müsste man mit dem Heilen-Werkzeug vor allem auf der Hochfrequenz-Ebene stempeln (siehe Bild unten).

Gimp Frequenztrennung

Starke Sommersprossen

Das kann man machen, war aber nicht wirklich so gedacht. Allerdings darf man dann bitte nur einen Pinsel mit den harten Kanten verwenden. Denn ein weicher Pinsel würde uns genau die Haut-/Bildstrukturen zerstören, die wir doch eigentlich erhalten wollten.

Alternativer Weg

Spulen wir einmal alles so weit zurück, bis uns wieder unsere 4 unbearbeiteten Ebenen vorliegen.

Oberste Ebene mit Ebenenmodus Faser mischen versehen und Farben invertieren. Dieses Mal beginne ich mit dem Weichzeichnen bei der obersten Ebene, also der Hochfrequenz-Ebene. Über Filter – Weichzeichnen – Gaußscher Weichzeichner öffne ich mir wieder den Dialog.

Jetzt erhöhe ich langsam den Weichzeichner so, dass gerade so eben vielleicht ein Hauch von Sommersprossen zu sehen sind. Bei mir ist das ein Wert von 6.

Gimp Frequenztrennung

Weichzeichnen Faktor 6

Zum Vergleich das weichgezeichnete Bild noch einmal mit Faktor 20. Hier wurden die Sommersprossen voll in die Hochfrequenz-Ebene übernommen (siehe Bild unten).

Gimp Frequenztrennung

Weichzeichnen Faktor 20

Die Hochpass-Ebene vereine ich nach unten mit der nächsten und stelle den Ebenenmodus wieder auf Faser mischen. Auf die nächste Ebene darunter wende ich nun den Weichzeichner mit dem gleichen Wert von 6 an. Und wieder lege ich alles zusammen, außer der Originalebene in einen Ebenen-Ordner.

Gimp Frequenztrennung

Startbereite Ebenen

Aber jetzt

Und nun könnt ihr auch auf der Niederfrequenz-Ebene retuschieren. Dazu nutzt ihr vorzugsweise das Heilen-Werkzeug. Nehmt aus einem benachbarten Bereich mit gedrückter STRG-Taste eine Farbe auf und wendet dann den Stempel an anderer Stelle an.

Ihr müsst nun die Hochfrequenz-Ebene gar nicht anfassen, somit geht von der Struktur, dem Bildrauschen, der Textur oder wie immer man das nennen möchte, nichts verloren.

Die Pinselstärke kann mit ALT GR-8 und 9 vergrößert und verkleinert werden. So könnt ihr flüssig arbeiten. Mit dieser Technik kommt man sehr gut voran, aber ich sage nicht dass es in Windeseile geht.

Möglicherweise bleiben am Ende Sommersprossen übrig, da sich hartnäckige Stellen in die Hochfrequenz-Ebene gerettet hatten. In der Hochfrequenz-Ebene kann der Heilen-Stempel ebenfalls genutzt werden. Dann aber bitte nur mit einer harten Pinselspitze.

Fazit

Die Frequenztrennung ist eine prima Sache und nicht kompliziert anzuwenden. Wo ihr mit dem Weichzeichner beginnt, ob bei der Nieder- oder der Hochfrequenz-Ebene, hängt auch vom Bild ab, bestimmt aber in jedem Fall das weitere Vorgehen.

Die Entfernung der Sommersprossen war in diesem Fall ein extremes Beispiel. Eine normale, handelsübliche Beauty-Retusche erfordert meist nur sanfteres Vorgehen. Aber, wie ihr seht, es funktioniert auch in solchen Fällen sehr gut.

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